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Fachartikel

Akutes Abdomen – ein außergewöhnlicher Fall

2 Min. Lesezeit
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25.07.2026

Verschlechtertes Allgemeinbefinden, unauffällige Bildgebung und trotzdem ein akutes Abdomen: Der Fall des Rüden Gustav zeigt, warum die Probelaparotomie manchmal der einzige Weg zur Diagnose ist.

Der Fall

Dem Rüden „Gustav“ ging es schon die ganze Nacht schlecht. Nach zahlreichen Untersuchungen konnten wir keine eindeutige Ursache für das „akute Abdomen“ von „Gustav feststellen, worauf wir der Besitzerin zur Probelaparotomie rieten. Diesen stimmte zu und wir legten sofort los.

Kurz zurück: In der klinischen Untersuchung zeigte er ein mgr. gestörtes Allgemeinbefinden mit angespanntem Abdomen, verzögerter KFZ und Hypersalivation. Die Laborwerte waren normal wie auch das Thoraxröntgen. Im Abdomenröntgen zeigte sich ein verwaschenes Areal aber auch im Kurz-Sono konnte keine eindeutige Ursache für das schlechte Befinden des Hundes festgestellt werden.

Die Operation

Also, Laparotomie mit Überraschungseffekt...

Außer der fehlenden rechten Niere, fiel mir zunächst keine abnormale Struktur auf und ich ging nochmal alle Organe systematisch durch. Dann entdeckte ich unterhalb des Colon descendens einen ca. 0,4 cm dicken flüssigkeitsgefüllten Strang, der sich über einen Zentimeter ampullenartig verdickte und in dem sich eine braune Flüssigkeit rhythmisch bewegte. Was für eine Struktur war das??? Endlich erkannte ich im Seitenvergleich, dass der linke Ureter genau das gleiche Bewegungsmuster zeigte, allerdings war dieser ca. 0,2 mm dick und beinhaltete durchsichtige Flüssigkeit. Die nun als rechten Ureter identifizierte Struktur ließ sich kaudal bis zur Blase verfolgen. Kranial mündete sie in einer retroperitoneal gelegenen, ca. 4x2 cm großen blasenartigen, flüssigkeitsgefüllten Struktur – dem „Überbleibsel“ der rechten Niere! Da diese sich nicht von der Nebenniere evakuieren ließ, haben wir die „Niere“ samt Nebenniere und natürlich dem gesamten Ureter entfernt.

Diagnose und Ursache

Die bakterielle Untersuchung einer Probe des Ureters mit dessem flüssigem Inhalt ergab das Wachstum von Streptococcus canis, sensibel auf Amoxicillin Clavulansäure.

Verlauf

„Gustav“ hat noch einige Tage Dauertropfinfusion, Antibiose und viel TLC (tender love and care ;-)) der Besitzerin benötigt und ist wieder vollständig genesen.

Wir gehen davon aus, dass das Residualvolumen im rechten Ureter (Reflux von der Blase) durch die Keimbesiedelung zu Nephritis-artigen Schmerzen und damit zum akuten Abdomen geführt hat.

Die Besitzerin und wir sind glücklich, dass „Gustav“ alles so gut überstanden hat! Yippie!

Mit freundlicher Genehmigung des Kleintierzentrums Kelheim, indem die Operation durchgeführt wurde.

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